Vor einiger Zeit wurde von Doris Mayer und Abdoulie Manneh in Heidelberg das Projekt „Sweet Home Heidelberg“ ins Leben gerufen, um außerhalb der zumeist von der Bevölkerung abgeschnittenen Flüchtlingsheime eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Deutsche zu schaffen. Durch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen oder Musizieren, ermöglicht das Projekt einen sonst eher schwierigen Erstkontakt zwischen Einheimischen und Geflüchteten und fördert dadurch den kulturellen Austausch, denn gemeinsam Spaß haben – so die Devise – ist der beste Weg zu einer erfolgreichen Integration. Gleichzeitig ist das „Sweet Home“ aber auch ein Forum, das Flüchtlingen die Möglichkeit bietet, sich über gesellschaftliche, politische oder anderweitige Themen und Probleme auszutauschen und sich für eine Verbesserung der Zustände in ihren Heimatländern einzusetzen.

Sweet Home Gambia – Die junge Generation klärt auf

Am 10. Dezember organisierte das „Sweet Home“-Projekt in Kooperation mit Studierenden der PH Heidelberg und dem „Reallabor Asyl“ im Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg die Veranstaltung „Sweet Home Gambia. Tränen an der Küste Afrikas – Die junge Generation klärt auf“, um Gambier und Deutsche bei einem aus Livemusik und afrikanischen Köstlichkeiten bestehenden Rahmenprogramm zusammenkommen zu lassen. Vorrangiges Ziel der Veranstaltung war es jedoch, den nach Deutschland geflüchteten Gambiern die Möglichkeit zu bieten, ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen, um die Besucher für die kritischen Zustände in Gambia zu sensibilisieren, denn das westafrikanische Land leidet seit 1994 unter der von Korruption, Unterdrückung und Gewalt geprägten Herrschaft des Autokraten Yahya Jammeh.

Die Geschichte des ehemaligen Geschichtslehrers Yahya Sonko war dabei besonders erschütternd, denn als der Lehrer seine Schüler über das politische System Gambias, die Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit und die Ungerechtigkeit aufklärte, landet er im Gefängnis. Unter Folter sollte er versichern, dass er das System nie wieder in Frage stellen wird. Angesichts eines drohenden Gerichtsverfahrens, entschied er sich dann aber zu fliehen. Ein ganzes Jahr lang dauerte seine Flucht nach Italien und erst nach acht weiteren langen Monaten erreichte er Heidelberg, wo er in einem Flüchtlingsheim Zuflucht fand.

Der Kampf um Gerechtigkeit trägt Früchte

Doch Yahya Sonkos Schicksal ist keinesfalls ein Einzelfall, denn zahlreiche Flüchtlinge aus Gambia haben ähnliche Geschichten zu erzählen. Im „Sweet Home Heidelberg“ fanden die durch ihr Schicksal verbundenen Gambier dann zusammen und beschlossen sich für eine Veränderung in ihrem Heimatland einzusetzen. Mit Hilfe sozialer Netzwerke bauten sie den Kontakt nach Hause wieder auf, um die Menschen in ihrer Heimat über ihren brutalen Präsidenten aufzuklären,  und um ihnen deutlich zu machen, dass sie sich von den in Gambia herrschenden Ungerechtigkeiten befreien müssen.

Und das Engagement von Yahya Sonko und seinen Freunden wurde belohnt, denn die gambische Bevölkerung hat sich bei der Präsidentschaftswahl am ersten Dezember 2016 nach unfassbaren 22 Jahren voller Angst und Unterdrückung erstmals gegen den Gewaltherrscher Yahya Jammeh durchsetzen können. Neuer Präsident wird Adama Barrow, der Gambia hoffentlich zu einem positiven Wandel verhelfen wird, damit so grausame Schicksale wie die von Geschichtslehrer Yahya Sonko zukünftig der Vergangenheit angehören.

Für weitere Informationen über „Sweet Home Heidelberg“ und „Sweet Home Gambia“ bitte hier entlang:

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